Gottesdienst vom 04.07.2021 in Romanshorn

von

Audio Predigt

Info und Kontakte

Gottesdienstleitung: Meret Engel

Musik: Bruno Sauder

Mesmer: Robert Heusi

Ablauf und Predigt als Text

Thema: Zachäus

Predigttext: Nach Lk 19

In Jericho lebte Zachäus. Das war ein kleiner, aber reicher Mann, ein Zolleinnehmer. Die Menschen damals mochten die Zolleinnehmer nicht. Denn die arbeiteten für die Römer, die im Land regierten. Die Zolleinnehmer verlangten mehr Geld von den Leuten und steckten es in die eigene Tasche. So war auch Zachäus reich geworden. Plötzlich hörte er ein lautes Rufen:  «Jesus ist hier!» Jesus! – Zachäus holte tief Luft. Von Jesus hatte er schon so viel gehört. Er wollten ihn unbedingt sehen. Was war das für ein Mensch? Zachäus rannte auf die Strasse. Aber dort drängten sich die Menschen. Er würde nie da durchkommen, so klein wie er war. Und niemand würde ihn bis vorne durchschlüpfen lassen, ihn, den Zolleinnehmer. Da entdeckter Zachäus einen Maulbeerbaum am Wegrand. Schnell kletterte er hinauf und setzte sich auf einen Ast. Von hier oben hatte er einen guten Überblick! Tatsächlich: Da kam Jesus! Genau unter dem Maulbeerbaum blieb er stehen und schaute hinauf.

«Zachäus!», rief er, «Komm schnell herunter! Ich möchte heute in dein Haus einkehren!» Zachäus jubelte im Herzen. Jesus hatte ihn gesehen! Er wusste sogar, wer er war! Und er wollte sein Gast sein! Zachäus sprang vom Baum und nahm Jesus in sein Haus auf. Die anderen Leute schimpften. Was hatte Jesus mit solchen unehrlichen Leuten zu tun? Aber Zachäus freute sich, dass Jesus in sein Haus kam. Er sagte zu ihm: «Die Hälfte von meinem Besitz will ich den Armen geben. Und wer mir zu viel bezahlen musste, dem gebe ich es vierfach zurück.» Jesus sah, dass er es ehrlich meinte und sagte: «Jetzt hörst du auf Gott sie damals Abraham. Um Menschen wie dich zu retten, bin ich gekommen.»

Predigt
Liebi Chind, liebi Erwachseni

Vor ein paar Wochen haben wir in der 1. Sek einen Ausflug nach St.Gallen gemacht. Im Zug trafen wir einen Mann, der auf den ersten Blick etwas komisch aussah: Er hatte eine grosse Tasche bei sich, hatte ein Bier in der Hand und sah etwas ungepflegt aus. „Was ist denn das für einer?“ so habe ich gedacht – und so ging es wahrscheinlich auch anderen. Meine Schüler setzten sich auf die andere Seite, wo der Mann sass. Auf einmal aber mischte er sich in unsere Diskussion ein und wir kamen miteinander ins Gespräch. Wir haben erfahren, dass er obdachlos war. Viel mehr konnten wir nicht mehr reden, weil wir bald in St.Gallen waren. Der Zufall wollte es, dass wir diesem Mann auf der Rückreise wieder im Zug begegneten. Einer meiner Schüler wollte wissen, warum er auf der Strasse lebte und wie es dazu gekommen ist. Der Mann hat uns von seinen Erfahrungen erzählt, die nicht immer einfach waren und dazu geführt haben, dass er nun obdachlos ist. Es war eine eindrückliche Begegnung. Ich habe gelernt, wie wertvoll es sein kann, jemanden nicht zu verurteilen. Denn das wird etwas sein, dass dieser Mann häufig erfährt, dass Menschen einen grossen Bogen um ihn herummachen.

Diese Begegnung mit diesem Mann ist mir im Zusammenhang mit Zachäus in den Sinn gekommen. Denn auch Zachhäus wird das gekannt haben: Dass Menschen einen Umweg um ihn machen. Er war aber ein ganz anderer Mensch als den Mann, den wir im Zug getroffen haben. Zachhäus ist reich, nicht arm. Er ist gut angezogen, hat ein eigenes Haus und eine Arbeit. Aber er war ein Zolleinnehmer. Wisst ihr, was das ist? Wenn Leute Waren in die Stadt gebracht haben, zum Beispiel Datteln oder Wein, mussten sie dafür den Römern etwas abgeben. Denn die hatten dazumal das Sagen und die wollten natürlich auch etwas verdienen. Zachäus war sozusagen der „Handlanger“ der Römer. Er nahm für sie das Geld ein. Und manchmal, da nahm er den Leuten etwas mehr Geld ab und nahm es in den eigenen Sack. Darum war Zachäus nicht beliebt. Und die meisten Menschen, die Zachäus sahen, machten einen weiten Bogen um ihn. Das war für Zachäus natürlich auch nicht lustig. Und vielleicht gerade darum wollte er den Leuten noch eines mehr auswischen und nahm ihnen noch mehr Geld ab. Es war wie eine Art ein Teufelskreis.

Eines Tages erfährt Zachäus, dass Jesus in der Gegend ist. Da wird er ganz aufgeregt, denn er möchte ihn auch sehen. Aber er getraut sich nicht, unter die Leute zu gehen: Wenn die anderen ihn sehen würden, dann würden sie ihn auslachen, vielleicht sogar verjagen. Zudem war er auch noch klein: wenn er ganz hinten stehen würde, würde er nichts sehen! Und so klettert er auf einen Baum. Da kann er alles überblicken und selber wird er wahrscheinlich nicht gesehen – wer rechnet schon, dass jemand auf einen Baum klettert! Als Jesus kommt, bleibt er ausgerechnet unter dem Maulbeerbaum stehen. «Komm schnell herunter!“, ruft Jesus Zachäus zu.  „Ich möchte heute in dein Haus einkehren!» Was? Zu mir? Zachäus ist ganz aus dem Häuschen. Er ist sich gewohnt, dass er Streit hat mit den Leuten, dass sie ihn meiden – aber sicher nicht, dass sie zu ihm nach Hause kommen wollen.

Ihr könnt euch vorstellen, wie die anderen Menschen reagiert haben: „Was? Zu Zachäus? Zu dem Halsabschneider? Zu dem Geizkragen? Das geht gar nicht! Gibt es nicht viele Arme, die Jesus viel nötiger gehabt hätten?“ Aber Jesus scheint zu spüren, dass Zachäus wie gefangen ist in seinem Verhalten. Vielleicht kennt ihr das auch: Wenn ihr merkt, dass andere gemein sind zu euch, dass ihr ihm oder ihr dann eines auswischen möchtet. Es ist gar nicht so einfach, einen Streit zu beenden, etwas zu vergessen und wieder neu anzufangen. Jesus aber nimmt Zachäus zuerst einmal einfach an. Er geht auf ihn zu. Zeigt ihm, dass er gerne hat. Und erst, wenn er in der Beziehung zu Zachäus ist und merkt, dass er einen Draht zu ihm hat, erst dann sagt er zu ihm, dass das eigentlich noch nicht so nett ist, dass er einen Teil des Geldes in seinen eigenen Sack steckt.

Kennt ihr das auch? Wenn man etwas unangenehmes ansprechen will, ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Wenn das Mami oder der Papi nach Hause kommen, müde sind, einfach mal abschalten möchten, dann ist es keine gute Idee, zu erzählen, dass einem das neue Spielzeug kaputt gegangen ist. Jesus hat das gewusst. Zuerst geht es um die Beziehung. Wenn man jemanden spürt, wenn ein Vertrauen da ist, wenn man das Gefühl hat: der hat mich gerne. Dann kann man auch etwas schwieriges ansprechen. Und Zachäus merkt, dass Jesus ihn wirklich gerne hat, ihn ernst nimmt. Darum kann er die Kritik von Jesus auch annehmen. Zachäus ändert sich. Er steckt das Geld nicht mehr in den eigenen Sack und verteilt sogar die Hälfte seines Besitzes an die Armen.

Jesus ist nach unserem Glauben der Sohn von Gott. Was er macht, das macht Gott. Gott hat uns zuerst einfach lieb. Das haben wir auch in der Taufe gefeiert. Wir haben Lara, Anna und Elea mit Wasser getauft, so, wie es auch Jesus gemacht hat. Wir dürfen darum darauf vertrauen, dass Gott uns gerne hat. Auch dann, wenn wir einmal etwas falsch machen oder etwas nicht so gut läuft. Gott hat uns lieb. Und wenn wir diese Liebe spüren, fällt es uns auch viel einfacher, so zu leben, wie Gott es will: Dass wir miteinander nämlich respekt- und liebevoll umgehen.

Zum Schluss möchte ich aber noch einmal auf diesen Mann zurück kommen, den wir im Zug gesehen haben. Ich kann mir vorstellen, dass er sich öfters auch so fühlt wie Zachäus: Dass die Menschen ihn lieber meiden. Aber weil die Jugendlichen mit ihm ins Gespräch gekommen sind, hat sich vielleicht auch etwas für ihn geändert. Ich kann mir vorstellen, dass er sich respektiert und akzeptiert gefühlt hat. Und ich glaube, wir alle sind etwas anders aus diese Begegnung herausgekommen: mit einem leichteren Herzen. Weil wir gespürt haben, wie wertvoll es sein kann, einander anzunehmen – statt zu verurteilen.

Jesus lädt uns ein, dass immer wieder zu tun. Nicht in erster Linie darauf zu achten, was ein Mensch beruflich macht oder wie er aussieht, sondern einfach interessiert und offen zu sein: Was ist das für ein Mensch? Wie kann es mir gelingen, eine Beziehung mit ihm oder ihr aufzubauen, ihm mit Achtung und Respekt begegnen? Wie kann ich etwas von der Liebe, die Gott mir schenkt, auch weitergeben? Ja, und  dann kann es passieren, dass sich daraus eine ganz spannende Begegnung ergibt!

Amen.

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