Gottesdienst vom 05.09.2021 in Romanshorn

von

Audio Predigt

Info und Kontakte

Gottesdienstleitung: Lars Heynen

Musik: Bruno Sauder und Daniel Engeli

Mesmer: David Züllig

Predigt als Text

Thema: Die zehn Aussätzigen

11Und es begab sich, als er nach Jerusalem wanderte, dass er durch das Gebiet zwischen Samarien und Galiläa zog. 12Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne 13und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser! 14Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein. 15Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme 16und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. 17Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? 18Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde? 19Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.

 

Predigt Lukas 17,11-19

Liebe Schwestern und Brüder,

«Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.» (Ps 103, 2)

 

Wo einem Menschen etwas Gutes widerfahren ist, wo jemand Hilfe bekommen hat, gibt es Grund zur Dankbarkeit. Es ist nicht «cool» hilfsbedürftig zu sein, aber wir alle sind angewiesen auf andere. Die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach sagte einmal: «Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.»

Wo Menschen das erkennen, verstanden haben, wie beschenkt sie sind, von anderen Menschen, aber auch von Gott, entstehen grossartige Erzählungen von Dankbarkeit.

Der Theologe Gerd Theissen hat das Thema, um das es in der Geschichte von der Heilung der zehn Aussätzigen geht, so betitelt: Von der Gabe, Glück in Dankbarkeit zu verwandeln.

Die Geschichte spielt sich irgendwo im Grenzgebiet zwischen Galiläa und Samarien ab. Das Verhältnis zwischen Juden und Samaritern war, wie wir auch aus anderen Geschichten des Neuen Testaments wissen, nicht besonders gut. Trotzdem legt die biblische Erzählung nahe, dass sowohl Juden, als auch Samariter unter den Kranken waren. Die Not hat sie einander gleicher gemacht. Was vorher getrennt hat, spielt angesichts der Krankheit offenbar nicht mehr so eine grosse Rolle.

Denn durch die Krankheit, einen ansteckenden Aussatz, vielleicht Lepra, teilen sie dasselbe Schicksal. Sie wurden ausgesondert von der Gemeinschaft, man mied ihre Nähe.

Allzu fern ist uns derzeit die Geschichte von den zehn Aussätzigen vermutlich nicht. Mittlerweile kennen wir das Prozedere der Aussonderung derer, die krank bzw. potenziell ansteckend sind. Anfang des Schuljahrs waren ganze Klassen in Quarantäne. Aber nur auf Zeit. Das ist ein entscheidender Unterschied.

Denn die Kranken, von denen unsere biblische Geschichte erzählt, hatten wohl kaum eine Aussicht, wieder in die Gemeinschaft zurückkehren zu können.

Doch dann reist Jesus durch das Grenzgebiet. Sie müssen von ihm gehört haben, sehen in ihm ihre einzige Möglichkeit, geheilt zu werden, das Stigma des Unreinen loszuwerden und wieder leben zu können. Sie kommen ihm entgegen, so weit es ihnen erlaubt ist: in einiger Entfernung, so heisst es, blieben sie stehen, um zu rufen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns.

Und dann geht alles ganz schnell. Ohne grosses Brimborium sagt Jesus ihnen, wo es lang geht: Geht, und zeigt euch den Priestern.

Eine grossartige Geschichte. Alle sind dankbar, alle sind glücklich. Alle werden gesund, und damit steht der Rückkehr in die Familie, in den Alltag nichts mehr im Weg. «Macht es gut, ich geh dann mal schnell zu meiner Familie. Bestimmt gibt es gleich Mittagessen», «Ich bin auch weg, muss sicher erst mal 148 Mails checken.» Und schwupps, waren sie über alle Berge.

Neun von den Zehn. Denn einer von ihnen kehrt zu Jesus um, fällt vor ihm nieder, lobt Gott und sagt: «Danke Jesus, du hast mir ein neues Leben geschenkt.»

 

Liebe Schwestern und Brüder,

der Unterschied zwischen dem Einen und den Neun liegt sicher nicht darin, dass nur der Eine dankbar gewesen wäre. Die waren alle zehn super-dankbar und haben das nicht für selbstverständlich gehalten, dass sie geheilt wurden.

Aber für die Neun war es egal, wem sie ihre Gesundheit verdankten. Sie hatten ihr altes Leben zurück, und mehr wollten sie vermutlich auch nicht. Es hatte sich in ihrem Leben nicht viel verändert.

Für den Einen, der Jesus dankt, hatte sich das Leben verändert, weil er in diesem Ereignis Gott begegnet ist, der ihm das Leben geschenkt hat. Er hatte buchstäblich ein «neues Leben» geschenkt bekommen. In Zukunft wollte er darum auch in Verbindung sein mit Gott.

So wie in der Geschichte ist es vermutlich heute auch noch. Die meisten Menschen lassen sich gern von Gott helfen. Aber dann auch zu ihm zurückkehren und mit ihm in Verbindung sein, mit ihm leben? Eigentlich reicht es doch, wenn Gott das eigene Leben ein bisschen repariert, wenn es mal klemmt.

Aber wir erfahren, dass Gott immer mehr gibt als ein bisschen Hilfe. Er ist ganz da als dreieiniger Gott. Er verschenkt sich selbst.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

wir können Gott begegnen, in seinem Wort und das wirkt in uns, so dass sich auch in unserem Leben etwas ändern wird. Denn etwas ist ganz speziell in der biblischen Erzählung. Es scheint nicht so, dass die Kranken gleich gesund geworden wären, sondern vielmehr so, dass sich die Heilung auf dem Weg einstellt, während sie zu den Priestern gehen, die sie vor Zeiten aus der Gemeinschaft der Reinen ausgeschlossen hatten.

Dieser Aspekt ist deswegen besonders, weil er bedeuten würde: Die zehn Aussätzigen machen sich als Kranke auf den Weg. Sie gehen nicht erst los, nachdem sie geheilt sind, sondern weil sie Jesu Wort folgen, werden sie geheilt.

Der Glaube, der auch uns heute verbindet, ist kein Wunderglaube. Vielmehr vertrauen wir auf Gottes Wort. Das heisst zugleich: Nicht irgendwelche Erfahrungen bilden das Fundament, das unseren Glauben trägt, sondern sein Wort, dem wir folgen und das uns Erfahrungen machen lässt.

Das heisst nicht, dass wir Heilige werden, sie 90% der Sachen, die im Leben Spass machen, nicht mehr machen dürfen. Das ist ein Vorurteil, das uns Christinnen und Christen oft angehängt wird.

Darum geht es auch gar nicht. Sondern darum, dass sich in meinem Leben etwas ändert, es eine neue Lebenseinstellung bekommt. Sie hat zu tun mit der Dankbarkeit, die eine Richtung erhält und damit eine andere Perspektive.

Das Glück ist dann nicht mehr einfach Zufall oder Schicksal, sondern Zeichen dafür, dass Gott das ganze Leben lang unser Gegenüber ist.

Sehen Sie, der eine Geheilte, der zurück kommt und Gott lobt, wird in seinem Leben sicher auch wieder krank geworden sein, wie wir alle, und irgendwann ist er auch gestorben. Aber: Er ist nicht nur gesund geworden, sondern sein Leben wurde heil, wurde gerettet. Das erfahren wir am Ende der Erzählung, wo Jesus ihm zuspricht: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.

Dieser Eine, der Gott gefunden hat, muss sich nicht mehr fragen, ob sein Leben einen Sinn hat, ob nicht alles, was er erlebt, umsonst ist. Er hat erkannt, dass Gott sich ihm gnädig zuwendet und sich seiner annimmt.

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

der Glaube ist die Gabe, dass Menschen Glück in Dankbarkeit verwandeln können. Dankbarkeit gegenüber Gott, der in unserem Leben am Werk ist, der uns begegnet und hoffen lässt.

Da entstehen grosse Erzählungen von Dankbarkeit, wie die von dem einen Geheilten, der dankbar zurückkehrt. Aber auch von Menschen unserer Zeit, die sich freuen und weitergeben, wie ihr Glaube ihnen geholfen hat.

Wir sind hineingenommen in eine Erzählgemeinschaft, wo Generationen vor uns ihre Glaubenserfahrungen gemacht haben, und wir reihen uns ein.

 

Liebe Gemeinde,

ich freue mich, Ihnen in der vor uns liegenden Zeit zu begegnen, und darauf, Hoffnungsgeschichten zu hören und erzählen können. Ich freue mich auf den Austausch und darauf, dass wir gemeinsam unterwegs sind im Vertrauen darauf, dass Gott sich auch uns annimmt – in unserer Zeit und in Ewigkeit.

Amen.

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