Gottesdienst vom 29.08.2021 in der kath. Kirche

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Gottesdienstleitung: Martina Brendler

 

Predigt als Text

Thema: Gott im Herzen haben

Predigttext: Markus 7, 1-8

Und es versammelten sich bei ihm die Pharisäer und einige von den Schriftgelehrten, die aus Jerusalem gekommen waren. 2 Und sie sahen, dass einige seiner Jünger mit unreinen, das heißt ungewaschenen Händen das Brot aßen. 3 Denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie nicht die Hände mit einer Handvoll Wasser gewaschen haben, und halten so an der Überlieferung der Ältesten fest; 4 und wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, bevor sie sich gewaschen haben. Und es gibt viele andre Dinge, die sie zu halten angenommen haben, wie: Becher und Krüge und Kessel und Bänke zu waschen. 5 Da fragten ihn die Pharisäer und die Schriftgelehrten: Warum wandeln deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Ältesten, sondern essen das Brot mit unreinen Händen? 6 Er aber sprach zu ihnen: Richtig hat von euch Heuchlern Jesaja geweissagt, wie geschrieben steht (Jesaja 29,13): »Dies Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir. 7 vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts sind als Menschengebote.« 8 Ihr verlasst Gottes Gebot und haltet an der Überlieferung der Menschen fest.

 

Liebe Mitchristen,

Hände waschen vor dem Essen, das weiss doch jedes Kind. Das lernen wir auch von Kind auf, und zwar alle. Ein Tischgebet ist nicht mehr in jeder Familie üblich, aber wenn man von draussen hereinkommt zum Essen, dann wäscht man sich vorher die Hände. Das ist völlig normal. Und natürlich ist auch das Geschirr, von dem wir essen, sauber, und auch der Tisch und das Tischtuch und die Stühle und Bänke, auf denen wir sitzen. Wir nennen das Hygiene, und bei uns hat es nichts mehr mit Religion zu tun. Wir wissen, dass saubere Hände wichtig sind, weil sich sonst Keime und Bakterien übertragen. Das wussten wir auch schon vor Corona und jetzt erst recht. Hände waschen und desinfizieren ist ja zu einer Lebenshaltung geworden. So war es auch bei den hier beschriebenen Leuten: die Juden essen nicht, wenn sie nicht vorher die Hände gewaschen haben. Im jüdischen Glauben ist es aber nicht einfach nur Hygiene. Hier geht es um mehr: nämlich um Gottes Gebote. Es geht um rein und unrein. Um äusserliches und innerliches. Um den Körper und um die Seele. Es geht um Gottes Gebote und um den ganzen Menschen. Es geht um das tägliche Leben mit Gott.

Das ist eine Dimension, die wir verloren haben. Wenn wir uns die Hände waschen, sprechen wir kein Gebet. Wenn wir essen, dann denken wir an Kalorien oder überlegen uns, woher das, was da auf dem Teller liegt, aus der Region kommt oder nicht. Wir machen uns Gedanken darüber. Ob das Ei von einer glücklichen Henne gelegt wurde oder nicht. Oder wir denken gar nichts und essen einfach, was auf den Tisch kommt, oder geniessen es mit allen Sinnen, aber an Gott, den Schöpfer, denken wir nicht. Bei rein und unrein geht es um mehr als ums Händewaschen, Es geht darum, was vor Gott gut ist und was nicht. Es geht um Mehr als um innerlich und äußerlich. Auch wenn wir uns immer die Hände waschen können wir unrein sein, kritisiert Jesus. Auch wenn wir jede Vorschrift befolgen, haben wir verloren, sagt Jesus. Auch wenn wir und an alle Regel halten, können trotzdem Neid, Missgunst, Angst, Hass und Wut uns beherrschen statt Gottes Geist.

Wie schade, dachten wir doch, wir machen alles richtig, wenn wir die Regeln befolgen. Dachten wir doch, wenn wir uns immer die Hände waschen, dann reicht das, um auf Gottes, auf der richtigen Seite zu sein. Leider nicht, sagt Jesus. Es kommt auf unser Herz an, auf das was wirklich wichtig ist: auf unseren Gedanken, unsere Einstellungen, unsere Werte. Und ganz ehrlich: das wussten die Pharisäer, die hier kräftig kritisiert werden, auch. Und Menschengebote haben sie nun wirklich nicht vertreten. Niemand nahm den Willen Gottes ernster als die Pharisäer. Dass Jesus den Pharisäern vorwirft, sie würden sich auf Meschen gemachte Gebote berufen, ist, mit Verlaub gesagt, völliger Quatsch. Innerhalb der Dynamik der Geschichte ist hier ein kleiner Schlagabtausch, ein kleines Gewitter unter Geschwistern dargestellt. Jesus und die Pharisäer sind Geschwister: gläubige Juden. Jesus wusste genauso gut, wie jeder anderer zu seiner Zeit, dass die Weisungen zu rein und unrein göttliche Gebote waren, schon immer und auch immer bleiben würden. Zu sagen, ihr macht alles falsch, ihr habt euch das selber ausgedacht, ist also ein bisschen Theater, ein dramatisierter Meinungsaustausch.

Warum als das Ganze:

Es bereitet den Weg vor, den die traditionellen jüdischen Gemeinden und die neue Jesus Bewegung gehen werden oder teilweise schon gegangen sind. Dabei ist nicht der eine Weg schlechter oder besser als der andere, sondern es sind einfach verschiedene Wege. Es ist nicht besser oder schlechter, von hier aus links oder rechts zu gehen, es ist nur anders. Nur diejenigen, die neue Wege gehen, müssen sich immer erklären, die müssen begründen, warum sie das Alt bewährte, verlassen und worin der Mehrwert des Neuen besteht. Wir vergessen oft, dass es neben Jesus und seinen Jüngern im Laufe der Zeit auch andere jüdische Lehrer gegeben hat.

Ich glaube, das neue oder andere, was Jesus uns hier bietet, ist die Aufforderung, das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren.

Das worum es wirklich geht. Wir hören es im Vers 21:

Und er sprach: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. All dies Böse kommt von innen heraus und macht den Menschen unrein.

Alles klar. Und jetzt? Brauchen wir uns an keine Gesetze mehr zu halten, sondern nur noch positiv denken und alles böse aus unserem Herzen zu verbannen?

Die Geschichte hat gezeigt, dass das nicht funktioniert. Und das ist hier auch nicht gemeint. gemeint ist, dass Gebote Gottes sehr wohl befolgt werden müssen, aber so, dass es uns Menschen dient und nicht und des Gesetzes selbst willen. Es gibt also einen Interpretationsspielraum. Und es geht nicht um blinden Sklavengehorsam, sondern um Selbstprüfung. Wir sollen uns nicht fragen, haben wir immer die Hände gewaschen oder nicht, sondern: haben wir uns bemüht, aufrichtig und wahrhaftig, gütig und freundlich zu sein also nicht unzüchtig habgierig, arglistig und missgünstig. Mal nicht die Hände gewaschen zuhaben ist ok. Aber Neid, Missgunst, Bosheit usw. ist nicht ok, das macht unrein, das macht Probleme. Das was ich sage, soll überdacht werden, mehr als das, was ich zu mir nehme. Was ich esse, bin ich nicht, sondern was in meinem Herz ist, das bin ich. Und das soll in Gottes Augen rein, gut sein.

 

Wenn es damals zur Zeit Jesu Facebook gegeben hätte, dann wäre diese neue Bewegung um den Rabbi Jesus nicht gut weggekommen. Sie hätte nicht viele likes bekommen. Das ist doch viel zu anstrengend, sich immer selbst zu überprüfen. Es ist viel einfacher, das zu tun, was alle tun. Und man kann auch noch neue Regeln aufstellen, die dann alle befolgen müssen.

Im Laufe der Zeit hat das entstehende Christentum seinerseits Gesetze und Verordnungen und Kategorien von rein und unrein erlassen, an die sich alle und das Volk im Besonderen zu halten hatten. Und manches Mal kam es mehr auf die Befolgung einer Äusserlichkeit an als auf das, was im Herzen ist.

Wir kennen diese leidvollen und furchtlosen Diskussionen im Bezug auf Eucharistie oder wie wir Reformierten sagen, aufs Abendmahl. Ist Jesus Christus nun in Brot und Wein leiblich oder geistlich anwesend oder ist das ganze nur ein Zeichen oder geht es nur darum, dass man sich traut, nach vorne zu treten und die Hostie in Empfang zu nehmen?

Ich glaube, Jesus würde sagen: wisst wir was, ihr könnt es auch machen wie die Christen in den Philippinen: die haben statt Brot und Wein Kokosnüsse und Kokosmilch und die feiern genauso Eucharistie. Wer würde denn Jesus hindern, dort genauso gegenwärtig zu sein wie bei uns, wenn wir Abendmahl feiern?

Ich denke, dass Jesus mit seinen pharisäischen Brüdern viel diskutiert hat und dass es allen darum ging, den Willen Gottes am besten zu erfüllen. Jesus sagt innerhalb dieser Diskussion: es ist in Ordnung, auch mal äusserliche, messbare Kriterien zu verletzten, wenn dafür die inneren Werte stimmen. Das haben sich spätere Generationen zu Nutze gemacht, sonst sind wären wir heute nicht da, wo wir sind. Aber auch heut müssen wir immer wieder hören: es ist wichtig, dass immer wieder meine Beziehung zu Gott zu überprüfen. Es ist wichtig, dass wir ihn an die erste Stelle setzten, dass wir ihn lieben mit ganzer Seele und mit aller unserer Kraft. Wir vergessen das manchmal. In den kleinen Streitigkeiten des Alltags, in dem Gerangel mit den Geschwistern oder Kindern oder Ehemännern, in der theologischen Rechthaberei und in den Gefechten mit Messer und Gabel. Wichtig ist, dass wir Gott liebhaben, mit allem, was wir sind.

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