Monatsgedanke Juni

Liebe Gemeinde

Die Pilgerin ist eine von neun Figuren aus Ernst Barlachs «Fries der Lauschenden». Andächtig und ruhig steht sie da. Sie hat alles abgelegt, was sie beschwert: den Rucksack, den Wanderstab, die schweren Schuhe. Nur den Hut hat sie aufbehalten. Obwohl das Pilgern anstrengend ist, geht eine Leichtigkeit von ihr aus. Das Innehalten, so überlege ich mir, ist beim Pilgern genauso wichtig wie das Gehen. Denn schliesslich muss man sich überlegen, wohin man will und was das Ziel sein soll. Manchmal braucht es auch Mut, aufzubrechen, «über den eigenen Acker hinauszugehen,» was das lateinische Wort peregre, von welchem sich das Wort pilgern ableitet, bedeutet. Die Pilgerin weist darauf hin, dass Aufbruch und damit auch Abschied Teil des Lebens sind. Ende Juni kommt auch für mich eine Zeit des Aufbruchs: Nach 14 Jahren als Pfarrerin in der Kirchgemeinde Romanshorn-Salmsach habe ich mich entschieden, neue Wege einzuschlagen. Und wie die Pilgerin, so halte auch ich einen Moment inne. Besonders in Erinnerung bleiben werden mir die verschiedensten Begegnungen, bei Tauf- oder Trauergesprächen, im Religions- oder Konfunterricht oder bei einem zufälligen Zusammentreffen auf der Strasse. Und auch wenn es – wie beim Pilgern – herausfordernde Zeiten gab, so überwiegen die erfüllenden Momente und berührenden Begegnungen. Ich möchte mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken für das Vertrauen, das Sie mir in diesen Jahren geschenkt haben und wünsche Ihnen alles Gute auf Ihrem weiteren Lebensweg. So möchte ich abschliessen mit einem irischen Reisesegen, der uns alle auf der Lebensreise begleiten soll:

 

Mögen dich deine Wege in neue Richtungen führen.

Mögest du Mut haben, schwankenden Boden zu betreten

und zu neuen Ufern aufzubrechen.

Mögest du Neuland gewinnen.

Gott halte dich schützend in seiner Hand.

 

Mit herzlichen Grüssen,
Meret Engel

 

Bild: Ernst Barlach: Die Pilgerin aus dem Fries der Lauschenden. Quelle: commons.wikimedia.org

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