Monatsgedanke September

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«Und siehe, es war sehr gut», sagt Gott, als er die Welt erschaffen hat. Mir kommt das Bild von Gott als einem Gärtner in den Sinn, der entzückt darüber ist, was in seinem Garten alles wachsen und gedeihen, kriechen, hüpfen, krabbeln und fliegen kann. Durch Mutation und Selektion, das lehrt die Wissenschaft, hat sich das Leben immer weiter entwickelt. Nach dem christlichen Glauben liegt dieser Entwicklung ein tieferer Sinn zugrunde: Die Schöpfung ist entstanden durch den Geist Gottes, der diese Welt durchweht und alles Leben miteinander und mit Gott verbindet. Wer achtsam und wachsam durch die Welt geht, kann diese vielfältigen Beziehungen sehen: Der Schnee, der im Winter die Alpen bedeckt, wirkt wie ein grosser Wasserspeicher, der im Frühling das Wasser in die Täler fliessen lässt. Der Jetstream, der Höhenwind über dem Atlantik, bringt feuchte und warme Luft nach Europa, so dass im Sommer der meiste Regen fällt. Durch die kühleren Temperaturen im Herbst spüren die Zugvögel, dass es Zeit ist, in den wärmeren Süden zu fliegen. Der Mensch aber nimmt immer mehr Einfluss auf diese vielfältigen Zusammenhänge und gefährdet die Vielfalt des Lebens. Wieder stelle ich mir Gott als Gärtner vor, der traurig ist, dass die Menschen seine Schöpfung zu wenig pflegen, wertschätzen und achten. Im September feiern wir jeweils den Erntedankgottesdienst: Im Lob und Dank können wir die Beziehung zu Gott pflegen und so auch seine Schöpfung achten. Damit Gott weiterhin sagen kann: «Und siehe, es ist sehr gut».

Pfarrerin Meret Engel

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